„Natürlich war mir klar, dass eine Familie nicht auf Effizienz ausgerichtet ist. An der Umsetzung haperte es jedoch.“ Ein Erfahrungsbericht.

 

„Paul kommt morgens schlecht aus dem Bett. Deshalb muss ich ihn zweimal wecken, bevor er überhaupt die Augen richtig öffnet. In der Zeit dazwischen ziehe ich Klara an. Sie ist drei und findet aufstehen auch jetzt schon nicht so toll, ist aber wach, sobald sie aus den Federn steigt. Paul soll natürlich auch nicht völlig übermüdet zur Schule, also lass ich ihm die Zeit bis zum zweiten Wecken. Obwohl er wirklich zeitig ins Bett geht: Aufstehen ist noch immer nicht sein Ding. Ich bin eigentlich ziemlich gut organisiert, aber wenn dann mal etwas nicht nach Plan läuft - sprich jeden zweiten Morgen - wird die Zeit schonmal knapp. 

Sind die beiden aus dem Haus, gehe ich ins Büro. Ich arbeite zur Zeit halbtags, nach meinem Arbeitstag geht es direkt zur Kita um Klara einzusammeln. Der Papa arbeitet den ganzen Tag, Haushalt und Kinder fallen somit in mein Gebiet. 

 

Zweimal pro Woche geht Paul zum Fussball. Das liebt er. Leider ist zwischen Schule und Training nur eine halbe Stunde Zeit, weshalb ich ihn manchmal etwas treiben musste. Im Büro muss alles immer ruckzuck gehen, besonders wenn man weiß, dass man in vier Stunden schon wieder an der Kita stehen muss. Brauchte Paul also mal etwas länger, um sich von seinen Freunden zu verabschieden, seine Jacke zu finden, die mal wieder weg war, oder einfach nur seine Brotdose wieder einzupacken, wurde ich unruhig. Irgendwie konnte ich die Hektik aus dem Büro nicht sofort ablegen. Ich habe die Arbeit immer auf zuhause übertragen und wollte meine Familie möglichst effizient gestalten. Dass das nicht ging, löste Stress aus. Natürlich war mir klar, dass eine Familie nicht auf Effizienz ausgerichtet ist. An der Umsetzung haperte es aber. Ich fühlte mich also zunehmend überfordert und merkte schnell, dass das auch an meinen Kindern nicht spurlos vorbeiging.

 

Paul fühlte meinen Stress besonders und wurde selbst hektischer beim Zusammenräumen seiner Sachen in der Schule, sobald er mich sah. Dass meine Kinder sich schon so jung gehetzt fühlen, wollte ich natürlich auf keinen Fall. Mein Mann Daniel hatte zwar immer ein offenes Ohr, konnte mir aber nicht so richtig helfen, da er erst abends heim kam und unseren alltäglichen Ablauf garnicht miterlebt. Ich holte mir Hilfe.

 

Wenn ich ehrlich bin stresste mich auch das. Jetzt soll ich mich auch noch mit einer fremden Person rumschlagen, während ich sowieso schon auf Hochtouren laufe. Hatte meine Freundin Eva darüber denn auch mal nachgedacht, als sie mir den Vorschlag unterbreitete? Außerdem kam ich mir ziemlich albern vor. Andere Mütter bekommen das doch auch hin! Aber ich probierte es aus. Meine „Notmutter“ hieß Lana, war ungefähr in meinem Alter und die Ruhe selbst. Sie nahm mir nach ein paar gemeinsamen Tagen mit mir und den Kindern zunächst die Wege zu Kita und Schule sowie etwas vom Haushalt ab, sodass ich bei der Arbeit weniger gehetzt war und entspannter nach Hause kam. Nach und nach fiel der Stress von mir, und auch die Kleinen schienen wieder viel gelassener. Dann nahmen wir den Tagen gemeinsam den Effizienz-Anspruch. Wir planten Puffer ein, ich meldete Paul zu einem späteren Training an und führte ganz bewusste Ruhephasen in die Tage ein. 

 

 

Lana nahm mir vor allem den Stress, weil ich merkte, dass die Dinge überhaupt nicht schneller gingen, nur weil ich alles übereilte. Natürlich weiß man das auch so, aber es zu wissen und es beherzigen zu können sind halt zwei verschiedene Schuhe, wie ich am eigenen Leib erfahren musste. Die Zeit mit Lana hat geholfen, um den Druck aus der Situation zu nehmen, mich selbst zu sammeln und mir einig mit meinen Aufgaben, den Anforderungen und den unplanbaren Ereignissen zu werden. Denn seien wir mal ehrlich - mit Kindern ist so einiges nicht planbar. Und das ist auch gut so.

Mir hat diese Zeit der gemeinsamen Strukturierung sehr geholfen. Ich hab damit auch gelernt, die Arbeit im Büro zu lassen und die Einstellung nach Feierabend zu ändern. Außerdem hab ich meine wöchentliche Arbeitszeit um zwei Stunden verringert und gehe alles mit weniger Zeitdruck an. Das mit der Hektik lernen meine Kinder schon noch früh genug.

 

Lana ist nun schon seit zwei Monaten nicht mehr bei uns. Die Wirkung ihrer Arbeit hält jedoch an, und ich dachte mir, ich schreib euch das hier, weil es sicherlich nicht nur mir so geht. Natürlich wird die Zeit weiterhin manchmal knapp. Das bleibt mit zwei Kindern nicht aus. Aber ich würde sagen, ich gehe damit nun um Längen besser um.“

 

 

Diese Mutter wurde vom Notmütterdienst für sechs Wochen begleitet. Wie ihr geht es vielen Müttern, die im anspruchsvollen Spagat zwischen Job und Familie stecken. Wir können nur jedem, der über einen längeren Zeitraum überfordert ist, ans Herz legen, sich Entlastung zu verschaffen und freuen uns, wenn unsere Arbeit wie in diesem Bericht Früchte trägt.

 

Ihr möchtet uns ebenfalls einen Erfahrungsbericht schicken und eure persönliche Zeit mit dem Notmütterdienst teilen? Wir freuen uns auf eure Geschichte per Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

*Zum Schutz der Privatsphäre wurden alle Namen geändert.

 

  

Über uns

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